Massivhaus und Fertighaus im großen Vergleich

Stein auf Stein zum individuellen Haus – das ist ein Kernmerkmal eines Massivhauses. Fertighäuser hingegen werden im Baukastenprinzip errichtet und lassen im Vergleich zu Massivhäusern an Komfort vermissen. Stimmt das wirklich oder handelt es sich doch um vorschnelle Urteile? Der Beitrag stellt die Merkmale von Massivhäusern und Fertighäusern im großen Überblick gegenüber.

Beim Massivhaus wird jede Einzelheit individuell geplant.

Der Schnellcheck: Welches Bauweise passt zu mir?

Bevor die einzelnen Aspekte im Detail beleuchtet werden, soll die folgende Tabelle dabei helfen eine ersten raschen Überblick zu bekommen. Damit fällt es leichter, eine Tendenz zu entwickeln, die für oder gegen eine Bauweise spricht. Das Kreuz (x) zeigt an, bei welcher Bauweise im Vergleich der Vorteil liegt.

MerkmalFertighausMassivhaus
kürzere Bauzeitx
niedrigere Kostenx
geringeres Schimmelrisikox
hohe Individualitätx
bessere Energieeffizienzx
höherer Schallschutzx
höherer Wiederverkaufswertx
höhere Langlebigkeitx

Der Beitrag „Massivhaus oder Fertighaus: Welche Bauweise ist die richtige“ liefert einige wissenswerte Details zum Thema. Im Folgenden werden die in der Tabelle genannten Merkmale genauer beleuchtet.

Die drei großen Vorteile von Fertighäusern

Fertighäuser haben drei maßgebliche Vorteile, die auf den ersten Blick kaum zu schlagen sind. Sie sind vergleichsweise schnell errichtet, günstiger zu haben und weniger schimmelanfällig.

Die Bauzeit: Fertighaus schlägt Massivhaus

Was die Bauzeit angeht, sind Fertighäuser praktisch unschlagbar. Die Bauteile werden im Werk vorgefertigt und auf der Baustelle zusammengesetzt. Das bedeutet auch, dass weder Wind noch Wetter die Dauer der Bauphase beeinflussen können. Stattdessen werden die Teile zur Baustelle geliefert und innerhalb weniger Tage montiert. Bauherren können dann praktisch sofort mit dem Innenausbau starten.

Ganz anders läuft es beim Massivhaus ab. Hier spielen nicht nur Wind und Wetter eine Rolle, sondern auch die Koordination der einzelnen Gewerke in den jeweiligen Bauphasen. Abgesehen davon kommen Trocknungszeiten für massiv errichtete Bauteile hinzu. Die Planbarkeit der einzelnen Bauabschnitte ist aufgrund der vielfältigen Komponenten wesentlich schwieriger als bei einem Fertighaus. Die Bauzeit bei einem Massivhaus fällt deshalb in der Regel deutlich länger aus.

Die Kosten: Fertighäuser sind vergleichsweise günstiger

Das zweite große Argument, das für ein Fertighaus spricht, ist der Kostenfaktor. Fertighaus-Immobilien mit vergleichbarem Ausstattungsniveau sind günstiger als massiv errichtete Häuser. Der Aufwand ist bei Fertighäusern geringer: Es sind weniger Handwerkerstunden zu bezahlen, ein Architekt ist (meistens) überflüssig, weil seine Tätigkeiten in der Regel bereits über den Fertighausanbieter abgedeckt werden und die Materialien sind oft günstiger.

Bei Massivhäusern in individueller Bauweise hingegen ist ein Architekt unumgänglich. Hinzu kommt, dass die eingesetzten massiven Baustoffe teurer sind und die Arbeiten der Handwerker wesentlich mehr Zeit und Geld kosten.

Die Bausubstanz: Fertighäuser sind wenig anfällig für Schimmel

Da die Bauteile von Fertighäusern unter optimalen Bedingungen hergestellt werden, kommen sie in trockenem Zustand auf die Baustelle. Das Dach ist innerhalb weniger Tage, manchmal sogar innerhalb weniger Stunden eingedeckt und schützt sofort die darunterliegenden Bauteile. Ein Fertighaus braucht keine Trocknungszeit, weil keine Feuchtigkeit verdunsten muss.

Ein Massivhaus ist während der Bauphase bis zur Eindeckung des Dachs schutzlos den Witterungsbedingungen ausgesetzt. Bei feuchter Wetterlage trocknen die gemauerten und verschalten Bauteile schlecht oder gar nicht ab. Fehlen Geduld, Zeit und bleibt das nötige gute Wetter aus, wird manchmal wider besseren Wissens zu früh weitergebaut und das Wasser sorgt für Probleme: Schimmel bildet sich und schädigt die Bausubstanz. Das kann richtig teuer werden, denn wenn der Schimmel Fuß fasst, kann der Pilz aus einem Traumhaus eine Bauruine machen – ein echter Alptraum mit schweren finanziellen Folgen.

Die vorproduzierten Bauteile eines Fertighauses werden in kurzer Zeit direkt auf der Baustelle zusammengebaut.

Sechs Merkmale, die für das Massivhaus sprechen

Massivhäuser sind individuell, energetisch optimal ausgerichtet und verfügen über ein gutes Raumklima. Deshalb finden sie auch bei zahlreichen Bauherren Anklang. Der Einsatz massiver Baumaterialien bedeutet nicht nur guten Schallschutz, sondern auch eine hohe Langlebigkeit und gute Wiederverkaufspreise.

Massivhäuser sind sehr individuell

Ungewöhnliche Grundrisse, auffällige Formen und höchst individuell eingesetzte Materialien sind bei Massivhäusern möglich. In Zusammenarbeit mit einem Architekten können sich Bauherren bis ins Detail kreativ ausleben und aus einem Wohnhaus einen Designer-Traum mit persönlicher Marke kreieren. Alles, was technisch machbar und baurechtlich genehmigungsfähig ist, kann prinzipiell realisiert werden.

Auch beim Fertighaus sind verschiedene Varianten möglich, doch der Rahmen ist vom Fertighausanbieter klar vorgegeben. Ein gewisses Maß an Individualität lässt sich beim Innenausbau erreichen, doch es ist längst nicht so hoch wie beim Massivhaus.

Bessere Energieeffizienz bei massiver Bauweise

Fachgerecht errichtet erreichen Massivhäuser eine bessere Energieeffizienz als die meisten Fertighäuser. Die massiven Materialien wie Beton und Stein speichern Wärme gut und über einen längeren Zeitraum, was die Heizkosten senkt.

Die leichter konstruierten Fertighaus-Bauteile kommen in den meisten Fällen aufgrund der weniger speicherfähigen Baustoffe auf geringere Werte in Punkto Energieeffizienz.

Massivhäuser haben höheren Schallschutz

Massiv gemauerte Wände schlucken Schall besser als Wände in Leichtbauweise. Auch in diesem Punkt liegen Massivhäuser vorne.

Höhere Langlebigkeit und besserer Wiederverkaufswert

Die beiden letzten Punkte hängen eng zusammen, denn ein massiv gemauertes Haus ist robust und das bedeutet, dass es im Vergleich zu einem Fertighaus eine längere Nutzungszeit erreicht. Massivhäuser sind aufgrund der robusten Baustoffe langlebiger und entsprechend höher fällt ihr Wiederverkaufswert aus. Das lässt sich für Laien auch an den Kaufpreisen ablesen, die in den Immobilienbörsen online wie offline angegeben werden.

Die deutschen lieben ihr Massivhaus

Die Hersteller von Fertighäusern haben nach Angaben des Bundesverbands Deutscher Fertigbau e.V. im Jahr 2018 insgesamt 19,6 Prozent aller genehmigten Ein- und Zweifamilienhäuser produziert. Im Vorjahr waren es noch 19,7 Prozent. Unterm Strich lässt sich somit sagen, dass ungefähr jedes fünfte Haus in Deutschland in Fertigbauweise errichtet wird. Das wiederum bedeutet, dass über 80 Prozent der Bauherren Massivhäuser bevorzugen.

Der reine Kostenaspekt sowie die Kürze der Bauzeit gekoppelt mit einem geringen Schimmelrisiko schlagen also insgesamt betrachtet nicht die sechs Vorteile von Massivhäusern. Die Deutschen wollen nach wie vor individuell, wertstabil, robust und energieoptimiert bauen und sehen in massiv errichteten Immobilien dafür die beste Option. Wer nicht neu baut und dennoch im Eigenheim leben möchte, sollte einmal über den Kauf einer Bestandsimmobilie nachdenken. Mit vorausschauender Planung ist es möglich, den Traum von den eigenen vier Wänden innerhalb eines Jahres zu realisieren.

 

Weiterführende Links:

Tipps gegen Schimmelbefall im Haus – schimmel-hilfe.com

Massivhaus oder Fertighaus? – wissenswerte Informationen auf hauscompagnie.de

Statistik zu Fertighäusern – Bundesverband Deutscher Fertigbau e.V.

 

Bilder:

pixabay.com © 2211438 (CC0 Creative Commons)

pixabay.com © amigos3d (CC0 Creative Commons)

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
  • 4,8
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
(1 Bewertungen, Ø 5)
5 von 5 Sternen
5 Sterne
1
4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0