Walmdach als Dachform – Das sollten Sie wissen!

Das Walmdach und seine Besonderheiten

Der Unterschied zwischen einem Satteldach und einem Walmdach besteht darin, dass ein Satteldach senkrechte Giebel hat, während das Walmdach an den Giebelseiten geneigte Flächen aufweist. Genau diese Dachflächen werden in der Fachsprache Walm genannt. Der Begriff Walmdach wird für Varianten verwendet, bei denen es einen Dachfirst gibt. Fehlt dieser, wird es als Pyramidendach oder auch Zeltdach bezeichnet.

 

 

Die Sonderformen bei einem Walmdach

Die an den Giebelseiten eines Hauses befindlichen geneigten Dachflächen nehmen bei einem klassischen Walmdach die gleiche Höhe wie die Seitenflächen ein. In der Regel wird für den Walm auch die gleiche Dachneigung wie bei den Seitenflächen verwendet. Reicht ein Walm von der Länge her vom Dachfirst nicht bis auf die Traufhöhe der Seitenflächen hinunter, wird diese Dachform in der Fachsprache als Krüppelwalm oder Schopfwalm bezeichnet. Der Krüppelwalm ist sehr weit verbreitet und bringt einige konstruktive und praktische Vorteile mit.

Eine weitere Sonderform gibt es in der Kategorie Walmdach mit dem sogenannten Fußwalm. Er ist daran zu erkennen, dass er im oberen Teil einen dreiecksförmigen senkrechten Teil aufweist, an den sich im unteren Teil eine schräge Dachfläche anschließt, die auf der Traufhöhe der Seitenflächen des Dachs endet. Diese Bauweise wird in einigen Regionen der Welt traditionell verwendet. Dazu gehört zum Beispiel Korea.

Auch der so genannte Niedersachsengiebel gehört zu den Sonderformen, die zum Walmdach entwickelt worden sind. Dabei besitzen die Giebelseiten ebenfalls geneigte Dachflächen, die nicht über die gesamte Höhe reichen. Sie beginnen aber weder auf der Höhe des Dachfirsts, noch reichen sie bis zur Traufhöhe der Längsseiten eines Hauses. Der Walm ist hier mittig angeordnet. Da diese Bauform konstruktive Nachteile hat, wird sie heute kaum noch angewendet.

Im Überblick bedeutet das, dass es folgende Sonderformen des Walmdachs gibt:

• Krüppelwalmdach / Schopfwalmdach
• Fußwalmdach
• Niedersachsengiebel

 

Das Walmdach und sein typischer Aufbau

Wie jede andere Dachform auch benötigt das Walmdach einen Unterbau, der in der Regel aus Holz erstellt wird. Der Fachmann verwendet für die Balken je nach Lage unterschiedliche Begriffe.

Dabei handelt es sich um

• Gratsparren,
• Pfetten,
• Schiftern und
• Sparren.

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Die Besonderheit beim Walmdach besteht darin, dass mehr Dreieckskonstruktionen als bei einem Satteldach benötigt werden. Solche Konstruktionen erweisen sich als besonders stabil, was bedeutet, dass ein Walmdach auch große Lasten tragen kann.

Deshalb wird diese Bauform auch bei den Schilfdächern angewendet, die im Laufe der Zeit durch ständige Neuauflagen vom Gewicht her wachsen. Aber auch ohne diese bei Reparaturen anfallenden zusätzlichen Lasten ist ein Walmdach mit Schilfeindeckung ziemlich schwer, was daraus resultiert, dass in die oberen Lagen Feuchtigkeit auch eindringen kann. Außerdem muss bei einem Schilfdach besonders auf eine geringe Windanfälligkeit geachtet werden. Und genau diesen Vorteil bietet ein Walmdach durch die umlaufenden Schrägen.

 

Mit dem Walmdach ist konstruktiver Bautenschutz möglich

Das Walmdach ist eine Bauvariante, die häufig bei Fachwerkbauten anzutreffen ist. Auch Gebäude, an deren Außenseite in anderer Form viel Holz eingesetzt wird, werden meistens mit einem Walmdach abgeschlossen. Ein Satteldach kann an den Längsseiten mit überzogenen Längen ausgestattet werden. Das ist auch an den Giebelseiten möglich. Um den ganzen Giebel schützen zu können, wären jedoch erhebliche Längen bei der Überziehung notwendig, die statisch kompliziert sind. Bei einem traditionellen Walmdach entstehen ab der Traufhöhe nach oben erst gar keine Giebel, denen man einen zusätzlichen Schutz zukommen lassen müsste.


Der Krüppelwalm wird dort verwendet, wo zum Beispiel an den Giebelseiten ein überdachter Balkon entstehen soll. Diese Bauform ist hauptsächlich im Alpenraum anzutreffen, wo der teilweise ausgeformte Walm dem Balkon einerseits Schutz vor Sonne und Wind bietet. Andererseits schützt er den Balkon vor Schnee, so dass die zumeist aus Holz ausgebildeten Konstruktionen vor einer vorzeitigen Verwitterung und der Besitzer des Hauses vor einem hohen Erhaltungsaufwand geschützt werden.

 

Das Walmdach und die möglichen Auflagematerialien

Für die Belegung von Walmdächern kann der Dachdecker alle gängigen Materialien anwenden. Im einfachsten Fall kann ein Walmdach mit geteerter Dachpappe in Bahnen oder gestanzten Schindeln belegt werden. Eine Ausgestaltung als Schilfdach wäre ebenfalls möglich. Auch klassische Dachziegel lassen sich zur Belegung von Walmdächern verwenden. Welche Materialien konkret eingesetzt werden, hängt zumeist von den regionalen Traditionen ab, wie folgender Überblick zeigt:

• Schwarzwald: Schindeln
• Küstenbereiche Deutschlands: Schilfauflagen
• Bundesweit: Klassische Dachziegel

 

Die praktischen Nachteile bei einem Walmdach

Wer sein Dachgeschoss ausbauen möchte, der sollte daran denken, dass die anrechenbare Wohnfläche durch den beiderseitigen Walm eingeschränkt wird. Ursache ist die Praxis, dass Raumhöhen unter zwei Metern nur noch teilweise angesetzt werden können. Das wirkt sich bei einer Drittnutzung sowohl auf die Höhe der erzielbaren Grundmiete als auch die Umlage der Betriebskosten aus. Um die Frage des Lichts in den Räumen muss man sich dank der modernen Technik der Dachflächenfenster, die inzwischen mit Klapptechnik sogar als kleiner Austritt ausgelegt sein können, keine Sorgen mehr machen. Das gilt auch hinsichtlich der thermischen Dämmung. Sie ist bei einem Walmdach in einer gleichen Qualität wie bei einem traditionellen Satteldach möglich.

 

Das Walmdach und die erneuerbaren Energien

Hinsichtlich der Nutzung erneuerbarer Energien bietet das Walmdach praktische Vorteile. Ein klassisches Satteldach hat für die Belegung mit Photovoltaik-Modulen oder mit solarthermischen Modulen lediglich zwei Seiten zu bieten. Hier spielt bei der erzielbaren Effizienz einer Solaranlage die Ausrichtung des gesamten Gebäudes eine wichtige Rolle. Eignet sich diese nicht, bleibt einem nur die Alternative, seine Solaranlage zum Beispiel mit den erst kürzlich auf den Markt gekommenen, beidseitig arbeitenden Janus-Modulen im Garten zu installieren.

Ein Dach mit vollständig ausgebildeten Walmen hat den Vorteil, dass alle vier Seiten des Dachs sich für eine Belegung mit Solarzellen eignen. Besitzt das Haus eine günstige Ausrichtung, lassen sich sogar zwei Dachflächen parallel nutzen. So könnte man die größere Fläche mit Photovoltaik-Modulen zur Stromerzeugung bestücken und den kleineren Walm mit solarthermischen Paneelen zur Unterstützung der Heizung und zur Reduzierung der Heiz- und Warmwasserkosten belegen.


Wer in seinem Haus eine Holzheizung betreibt, der dürfte einen anderen praktischen Vorteil beim Walmdach zu schätzen wissen. Die Überziehung der Dachflächen ist nicht nur zum Zweck des konstruktiven Bautenschutzes möglich. Teile der Dachflächen können auch bis zum Boden überzogen werden, um zum Beispiel einen geschützten Lagerplatz für die Holzvorräte zu schaffen. Alternativ kann dieser überdachte Stauraum auch zum Abstellen von Gartengeräten wie dem Rasenmäher oder zum Unterstellen von Gartenmöbeln genutzt werden. Auch die Ausgestaltung als Spielecke für die Kinder ist bei dieser geschützten Fläche möglich.

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