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Aufenthaltscontainer: Schutz- und Arbeitsraum für die Arbeiter bei großen Bauprojekten

von Marc Hammermeister

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Aufenthaltscontainer: Schutz- und Arbeitsraum für die Arbeiter bei großen Bauprojekten

von Marc Hammermeister

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Die Arbeit am Bau ist zwar hauptsächlich davon geprägt, stark zupackend, eben handwerklich zu sein und direkt am Objekt stattzufinden. Dennoch arbeiten selbst die fleißigsten Bauarbeiter nicht die gesamte Arbeitszeit über. Und dann gibt es ja auch noch die Tatsache, dass auf dem Bau einiges an klassischer Büroarbeit ansteht – zumindest auf großen Baustellen.

Der Büro- bzw. Aufenthaltscontainer ist die moderne Antwort auf diese Notwendigkeiten. Stabil, langlebig, leicht zu transportieren und im Höchstmaß flexibel.

Was Aufenthaltscontainer sind

Wenn früher Bauarbeiter ihres jeweiligen Gewerkes auf einer Baustelle anrückten, dann gehörte grundsätzlich ein Fahrzeug zu derjenigen Ausrüstung, die von jedem Vorauskommando als erstes mitgebracht wurde, der Bauwagen. Zwei Achsen, eine Außenverkleidung aus Blech oder Holz, darin eine Sitzbank, Ofen, Spinde. Ein Ort, an dem sich die Arbeiter umziehen und an dem sie wettergeschützt ihre Pausen verbringen konnten. Allerdings auch ein Ort, der, vor allem aus heutiger Sicht, technisch und räumlich enorm limitiert war und ist.

Das führte dazu, dass der Bauwagen in den vergangenen Jahrzehnten immer mehr zum Auslaufmodell wurde. Heute ist er praktisch nur noch auf kleineren Baustellen zu finden – wenn überhaupt. Denn es etablierte sich eine Alternative, die einfach rundweg besser ist, der Aufenthaltscontainer.

Zwar ist dieser Container der direkte evolutionäre Nachfahre des Bauwagens, allerdings ist er genau deshalb auch eine deutlich zeitgenössischere und fähigere Alternative. Im Detail:

  • Der Aufenthaltscontainer ist um einiges robuster. Da es sich um eine Monocoque-Konstruktion aus Metall handelt (technisch und historisch eng verwandt mit Überseecontainern), macht er deutlich mehr mit als der Bauwagen mit seiner Rahmenkonstruktion, denn er besteht hinsichtlich seiner Außenhülle aus weniger Teilen, die zudem komplett verschweißt sind.

  • Aufenthaltscontainer werden per LKW transportiert, können je nach Konstruktion von deren Ladefläche abgerollt oder per Kran abgeladen werden. Da sie deshalb kein eigenes Fahrzeug darstellen, entfällt die Notwendigkeit einer Straßenzulassung und einer regelmäßigen TÜV-Kontrolle – dadurch sind sie im Unterhalt günstiger, benötigen seltener Reparaturen und haben eine größere dauerhafte Nutzungszeit. Daneben hat diese Transportweise auch einen massiven praktischen Vorteil: Da der Container nicht auf eigener Achse über die Straßen rumpeln muss, kann er vollbestückt von Einsatzort zu Einsatzort transportiert werden.

  • Die Container können nach Kundenwünschen fix und fertig für den jeweiligen Einsatzzweck konfiguriert werden – sowohl hinsichtlich ihrer Außenfarbe wie der Innenausstattung. Container für die reine Unterbringung von Material und Werkzeug sind ebenso möglich wie vollausgestattete Mobilbüros, die ein direktes Arbeiten von Architekten, Planern und der Bauleitung vor Ort ermöglichen. Für die Umsetzung der Maxime von flachen Hierarchien und vor allem kurzen Kommunikationswegen hat das nur Vorteile.

  • Aufenthaltscontainer sind, im krassen Gegensatz zu Bauwagen, in allen drei Ebenen normiert, denn die Basis für den Umbau sind sogenannte ISO-Container mit normierten Abmessungen, Fixierpunkten und Traglasten. In der Folge ist es auch auf wechselnden Baustellen deutlich einfacher, die Stellplätze einzurichten. Und: Die Container können genau deshalb auch gestapelt werden, wodurch sie bei Nichtgebrauch nicht nur raumsparend zu lagern sind, sondern sich auf der Baustelle auch zu regelrechten temporären Gebäudekomplexen zusammenstellen lassen.

Last but not least sind alle Wände von Aufenthaltscontainern (nach Kundenwunsch) auch in verschiedenen Stärken wärmeisoliert. Dadurch können sie das gesamte Jahr über genutzt werden, ohne dass der Aufenthalt darin bei extremen Temperaturen (sowohl Hitze wie Kälte) ohne weitere technische Installationen unerträglich wird – wenngleich Container natürlich auch mit Heizungen und Klimaanlagen versehen werden können.

Was ein Aufenthaltscontainer mitbringen sollte

Wo nur die äußere Hülle eine Basis ist, ist natürlich in Sachen Innenausbau enorm hoher Variantenreichtum das Maß aller Dinge. Stellt sich die Frage, was ein Aufenthaltscontainer mitbringen sollte, der auf typischen größeren Baustellen eingesetzt werden soll.

Der mit Abstand wichtigste Part, der auch zuerst beachtet werden sollte, ist die Größe. Bei den meisten Containern zeigt sich hier die Abstammung vom Überseecontainer, sie werden nämlich gemäß ihrer Länge in Fuß (1 Fuß oder 1‘ = 30,48 Zentimeter) bemaßt. Der Grund für diese auf Europäer ungewöhnlich wirkende Bemaßung ist, dass der Überseecontainer eine US-amerikanische Erfindung ist, auch die Seefahrt anglophon ist und man bei diesen Maßen blieb.

  • 10‘ Container sind (gerundet) 305 Zentimeter lang (Außenmaße)
  • 20‘ Container sind (gerundet) 610 Zentimeter lang

Wie groß der Container sein muss, hängt primär von der Teamgröße in Abhängigkeit der Verwendung ab. Ein kleiner Trupp von Bauarbeitern oder ein zweiköpfiges Bauleitungs-Team kann problemlos in einem 10‘ Container untergebracht werden. Werden es jedoch mehr Personen, dürften 20‘ Container mehr Sinn machen – natürlich ist auch zu überlegen, ob es wirklich nur ein reiner Aufenthalts- bzw. Bürocontainer ist oder ob das Personal darin auch schlafen können soll.

Gehen wir einmal davon aus, dass es sich um einen typischen Aufenthaltscontainer für die Pausen der Mannschaft handelt, so sollte der Container folgendes enthalten:

  • Eine kleine Abtrennung von Vor- und Hauptraum, damit bei entsprechender Witterung nicht Wärme oder Kälte entweichen können, wenn jemand den Container betritt oder verlässt. Bei kurzen Containern kann dies aus Platzgründen entfallen.

  • Fenster, zumindest an der Stirnseite. Auf nicht 24/7 aktiven Baustellen sollten diese sicherheitshalber auch vergittert sein, um Diebstahl und Vandalismus zu verhindern. Mitunter kann dies auch um ein Alarmsystem ergänzt werden.

  • Eine ausreichende Anzahl von bequemen Sitzmöglichkeiten rund um einen Tisch. Bei den Sitzgelegenheiten ist auf Robustheit und einfache Reinigung zu achten – schließlich ziehen sich Bauarbeiter typischerweise nicht um, wenn sie in die Pause gehen.

  • Zumindest ein kleiner Büroarbeitsplatz, auch wenn der Container primär als Aufenthaltsraum genutzt wird. Dazu auch eine Unterbringungsmöglichkeit für Akten und andere Unterlagen.

  • Spinde, damit die Arbeiter die Möglichkeit haben, zu Beginn und am Ende des Tages ihre schmutzige Bekleidung zu wechseln und wegzuschließen. Mitunter sollte es deshalb auch eine kleine Waschmöglichkeit geben – allerdings kann dafür auch ein weiterer Container als Sanitärcontainer herangezogen werden.

  • Elektrische Anschlüsse, Beleuchtung sowie zumindest eine Heizung und ggf. auch eine Klimatisierung. Gern kann eine möglichst umfangreiche Wärmedämmung gewählt werden, damit der Energieverbrauch niedrig bleibt und der Container auch ohne andauerndes Heizen/Kühlen länger angenehme Temperaturen behält.

Und, der Container steht ja auf meistens schlammigen Baustellen, es sollte unbedingt im Eingangsbereich eine Möglichkeit geschaffen werden, schmutzige Sicherheitsschuhe entweder zu reinigen oder zumindest abzustellen. Andernfalls wirkt der Boden des Aufenthaltscontainers schon nach der ersten Pause enorm verschmutzt und macht überflüssig viel Reinigungsaufwand.

Was die Aufstellung anbelangt, muss der Boden natürlich hinreichend tragfähig und eben sein bzw. gemacht werden. Der Ort sollte so gewählt werden, dass möglichst kurze Wege zum direkten Arbeitsort bestehen und der Container gleichzeitig nicht das Rangieren von Baggern, LKW und anderen Baustellenfahrzeugen behindert.

Bildquelle:

stock.adobe.com @ Piman Khrutmuang

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