Hybridhaus – Was versteht man konkret darunter?

Das Hybridhaus im Überblick

Nullenergiehaus, Passivhaus, Niedrigenergiehaus, KfW-Effizienzhaus 55 / 70 – es gibt viele Möglichkeiten, ein Massivhaus mit möglichst geringen Verbrauchswerten zu bauen. Die noch recht unbekannte und junge Form eines extrem energiesparenden Hauses ist allerdings das Hybridhaus.

 

Hier fallen keine Kosten für:

  • den Stromverbrauch,
  • die Heizung oder
  • das Warmwasser an.

Grund für diese Null Energiekosten sind moderne, ausgefeilte Techniken, die im Hybridhaus Verwendung finden. So macht sich der künftige Hausbesitzer nicht nur unabhängig von steigenden Strom-, Öl- oder Gaspreisen, sondern erhält ein Massivhaus, das zudem kein CO2 produziert.

 

Die Grundlagen beim Hybridhaus sind:

  • hochisolierende Wärmedämmung,
  • Ausführung als Energiesparhaus,
  • Einbau moderner Energiesparfenster,
  • Verwendung einer gedämmten Bodenplatte und
  • einer kontrollierten Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung,
  • Nutzung einer Photovoltaikanlage und
  • einer Erdwärmeheizung mit Spiralkollektoren.

 

Erdwärmetechnik im Hybridhaus

Zunächst wird beim Hybridhaus die Erdwärmetechnik verwendet. Dafür kommen Wärmepumpen in Frage.

Diese können als:

  • Luft/Wasser-Wärmepumpe,
  • Sole/Wasser-Wärmepumpe oder
  • Wasser/Wasser-Wärmepumpe daher kommen.

 

Am Beispiel der Sole/Wasser-Wärmepumpe soll verdeutlicht werden, wie die Beheizung im Hybridhaus aussehen kann. Generell arbeiten Wärmepumpen vergleichbar mit einem Kühlschrank. Dieser erzeugt Kälte in seinem Inneren, so dass die Lebensmittel frisch bleiben. Zeitgleich entsteht Abwärme, die über die Rohre an der Rückseite des Kühlschranks abgeleitet wird. Würde man jetzt die Rückseite des Kühlschranks in den Raum stellen, wäre eine sehr einfache Wärmepumpe damit vorhanden.

© Picture-Factory – Fotolia.com

Das Prinzip bei der Sole/Wasser-Wärmepumpe sieht natürlich ein wenig anders aus. So werden verschiedene Gase komprimiert, anschließend erhitzt und können sich beim folgenden Abkühlen entspannen. Vergleichbar ist der Vorgang mit einer Luftpumpe, bei der die komprimierte Luft erwärmt wird. Gase können sich entspannen, wenn sie an die Luft gelangen. Beim Feuerzeuggas wird das deutlich, wenn die Füllöffnung nicht getroffen wird. Das entwichene Gas entspannt sich und es bilden sich winzige Eiskristalle. Bei der Wärmepumpe werden dagegen Kühlmittel statt Gase komprimiert. Diese Kühlmittel haben hervorragende thermische Eigenschaften, so dass es auf der Seite, wo der Druck entsteht, warm wird, auf der anderen Seite dagegen kühl.

Es können dabei verschiedene Arten von Wärme verwendet werden, daher auch die unterschiedlichen Arten der Wärmepumpen. Bei der Sole/Wasser-Wärmepumpe wird die Energie aus dem Erdreich gewonnen. Die Kühlflüssigkeit (Sole) wird durch Spiralkollektoren gepumpt und erwärmt sich dabei auf die Temperatur der Erde. Die in der Sole gespeicherte Wärme wird an die Pumpe weiter gegeben und dort weiter verarbeitet. Die Wärmepumpe kann, sofern sie richtig dimensioniert ist, zur Beheizung des gesamten Hybridhauses dienen und zusätzlich das Brauchwasser erwärmen. Verbessert werden können die Wirkungen mit der Verwendung einer Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung.

 

Photovoltaikanlage im Hybridhaus

Im Hybridhaus sollen keine Kosten für Heizung, Warmwasser und Strom entstehen. Für Heizung und Warmwasser zeichnet die Wärmepumpe verantwortlich. Im Bereich Strom kommt eine Photovoltaikanlage in Betracht. Sie nutzt die Energie der Sonne, die grenzenlos zur Verfügung steht. Und damit ist ein entscheidender Vorteil gegenüber fossilen Brennstoffen, die bereits in naher Zukunft zur Neige gehen werden, mehr als deutlich.

 

Die Funktionsweise der Photovoltaikanlage lässt sich dabei einfach erklären:

  • Solarzellen werden auf dem Dach installiert. (Welche Dacharten gibt es?)
  • Sonne trifft auf die Solarzellen auf.
  • Das auftreffende Sonnenlicht wird von den Solarzellen in Gleichstrom umgewandelt.
  • Über einen Wechselrichter kann der Gleichstrom in Wechselstrom umgewandelt und direkt genutzt werden.

 

Ebenfalls von Vorteil: Der Strom muss nicht direkt vor Ort verbraucht werden, was mitunter ohnehin nicht möglich ist. An sonnenreichen Tagen wird mehr Strom produziert, als man verbraucht. Deshalb kann zumindest ein Teil des Stroms (der nicht benötigt wird) in das öffentliche Stromnetz eingespeist werden. Dafür gibt es eine Einspeisevergütung, die über 20 Jahre garantiert wird.

 

Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung

Entscheidend für ein Hybridhaus sind aber nicht nur Wärmepumpe und Photovoltaikanlage, sondern ebenfalls die Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. Moderne Massivhäuser, wie es auch das Hybridhaus ist, sind heute luftdicht gebaut. Das bietet den Vorteil, dass keine Wärme entweichen kann und das Haus nicht so schnell auskühlt. Die Überprüfung findet regelmäßig mit dem Blower-Door-Test statt.

Allerdings birgt eine absolute Luftdichtigkeit der Gebäudehülle auch eine Gefahr in sich: Stockflecken und Schimmelbildung kommen häufig vor, insbesondere, wenn nicht ausreichend be- und entlüftet wird. Gerade in den Wintermonaten ist es aber alles andere als angenehm, die Fenster für einige Minuten sperrangelweit zu öffnen, um zu lüften. Die eisige Luft gelangt ins Haus, die aufgewärmte Luft dagegen entweicht nach draußen.

Um dies zu vermeiden, gibt es Entlüftungssysteme mit Wärmerückgewinnung. Dabei wird warme Luft aus den Wohnräumen abgezogen und an einem Rohrgeflecht vorbeigeführt. Dieses ist auch als Plattentauscher bekannt. In diesem Rohrgeflecht fließt ein Wasser-Glykol-Gemisch, das von der aus dem Haus entweichenden Wärme erwärmt wird.

In Verbindung steht der Vorgang mit der Wärmepumpe. Jeder Arbeitsgang entzieht der Sole Energie und damit Wärme. In einem Teilstrom wird die Sole an den Plattentauscher geleitet. Die entzogene Wärme durch die Arbeitsgänge der Wärmepumpe wird der Sole so zurück gegeben. Dadurch kann auch das Erdreich mit Wärme versorgt werden, so dass die Wärmepumpe auch an warmen Tagen, wenn sie wenig zu tun hat, eine gute Leistung aufweist.

 

Weitere Maßnahmen im Hybridhaus

Natürlich können im Hybridhaus auch weitere Maßnahmen durchgeführt werden. Zu diesen zählt etwa die Fußbodenheizung. Sie bietet gleich eine ganze Reihe von Vorteilen:

  • Eine große Fläche, die Wärme abgibt, bedingt eine geringere Heiztemperatur.
  • Zudem wird das Raumklima angenehmer.
  • Staubaufwirbelungen, wie sie bei der klassischen Heizkörperbeheizung auftreten, kommen nicht zum Tragen. Das schützt Hausstauballergiker.
  • Die Heizwassertemperatur ist wesentlich geringer, wodurch der Anschluss an die Wärmepumpe möglich wird.
  • Energie kann eingespart, die Umwelt geschützt werden.
  • Es entsteht mehr Stellfläche für Möbel, da keine störenden Heizkörper im Weg sind.

 

Zudem kann eine Solaranlage zur Erwärmung des Brauchwassers im Hybridhaus zum Einsatz kommen. Diese kommt bei modernen Hybridhäusern immer dann in Frage, wenn die Sonne nicht ausreichend auf die Fenster fällt, um die Vorgaben der KfW zu erfüllen. Einige Anbieter für das Hybridhaus bauen in einem solchen Fall eine Solaranlage kostenfrei mit ein, die einen Speicher mit einer Größe von 500 Litern aufweist und das Brauchwasser erwärmen kann. Diese Maßnahme muss nicht durchgeführt werden, ist aber sinnvoll, wenn ohne sie die KfW-Förderung nicht erreicht werden könnte.

Es gibt also viele Maßnahmen im Hybridhaus, die dafür sorgen, dass keine Energie- und Heizkosten entstehen. Diese Maßnahmen gehen allerdings auch mit einem höheren Baupreis einher.

Quelle: Massivhaus.de – Die Massivhaus Topadresse

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