Wasserglas beim Hausbau – Das sollten Sie wissen!

Unter Wasserglas versteht man ein dickflüssiges Mittel, mit dem man verschiedene Oberflächen und Gegenstände wasserdicht machen kann. Das Produkt kann nach der Verdünnung mit Wasser mit einem Quast, einer Spritze oder einem Roller verarbeitet werden.

 

Wasserglas im Hausbau

Schon lange ist das Wasserglas als Dichtmittel bekannt. Auch im Hausbau wird es gerne zur Abdichtung von Oberflächen verwendet. Entdeckt wurde das Dichtmittel Mitte des 19. Jahrhunderts von einem deutschen Chemiker. Die Substanz entsteht aus Quarzsand und Carbonat und hat sich seither in vielen Bereichen etabliert. Wasserglas wird auch als Alkalisilikat bezeichnet. Es kann Oberflächen abdichten und verfestigen. Wird Wasserglas in Oberflächenbeschichtungen als Zusatzmaterial eingesetzt, kann es deren Haftung sogar verbessern. Im Hausbau kommt Wasserglas vor allem zur Abdichtung der Oberflächen zum Einsatz. Dabei bringt es folgende Wirkungen mit sich:

 

  • Unbehandelte Oberflächen, wie Beton, Lehm oder Holz enthalten Poren oder Kapillaren. Sie lassen Feuchtigkeit ins Innere der Oberfläche eindringen und durch sie können Staub und andere, sehr feine Partikel nach außen dringen.
  • Trägt man Wasserglas auf diese Oberflächen auf, reagiert es mit bestimmten Wirkstoffen in der Oberfläche. Daraus bildet sich ein unlösliches Gel, mit dem die Poren verschlossen und abgedichtet werden.
  • Dieses Gel verhindert es, dass weitere Feuchtigkeit in Holz, Beton oder Lehm eindringen kann. Ebenso wird die Staubentwicklung reduziert.

 

Einige findige Werber behaupten auch, dass Wasserglas die Oberfläche härten und damit widerstandsfähiger machen kann. Jedoch konnte dieses Werbeversprechen in der Praxis nicht nachgewiesen werden. Mit Wasserglas lassen sich beim Hausbau vielfältige Aufgaben erfüllen. Eine Auswahl bietet folgende Aufstellung:

 

  • Putz- und Mauerwerk mit Wasserglas abdichten
  • Estrich und Betonoberflächen mit Wasserglas abdichten
  • Natursteine durch Verkieselung der Oberfläche schützen
  • Wasserglas Kalkfarben zusetzen, um damit Haftung und Festigkeit zu verbessern
  • Konservierung von Holzoberflächen
  • Einsatz zur Konservierung, um den Brandschutz zu verbessern (vorwiegend bei Holzoberflächen)
  • Wasserglas zur Nutzung als Fliesenkleber
  • Wasserglas als Fassadensperrsystem, so dass die Fassade gegen aufsteigende Feuchtigkeit geschützt ist (Aufbringung mit Injektionsverfahren)

 

Je nachdem, auf welchem Untergrund Wasserglas aufgebracht wird, kann die Eindringtiefe zwischen 0,5 und zehn Millimetern betragen. Die meisten Hersteller geben zudem an, dass die maximale Wirkung erst 28 Tage nach dem Aufbringen von Wasserglas eintritt. Allerdings ist eine bauaufsichtliche Zulassung für den Einsatz von Wasserglas nicht nötig.

 

Weitere Einsatzbereiche

Doch nicht nur beim klassischen Hausbau, sondern auch in vielen anderen Bereichen kommt das Wasserglas zum Einsatz. Einige Beispiele haben wir im Folgenden zusammengestellt:

 

  1. Im Waschmittel

Im Waschmittel wird der pH-Wert kontrolliert erhöht. Schmutz und Textilfasern laden sich so stärker auf und die elektrostatische Abstoßung wird erhöht. Dadurch können saure Schmutzstoffe, wie etwa Öle, Proteine, Fette und Farben in Wasser gelöst werden. Auf Aluminiumteile wirkt die Waschlauge, die mit Wasserglas versetzt ist, weniger korrosiv. Das Wasserglas selbst reagiert oberflächlich mit dem Aluminium und lagert sich auf diesem als feine Inertschicht ab. Dadurch ist ein alkalischer Angriff nicht möglich.

 

  1. Im Zement

Ebenfalls wird Wasserglas in Zement verwendet. Hier kommt Natron-Wasserglas zum Einsatz, das die Erstarrung des Zements beschleunigen soll. Vorwiegend nutzt man das Wasserglas dabei für Nassspritzbeton im Tunnel- oder Bergbau. Allerdings verwendet man heute kaum noch Wasserglas im Zement, sondern setzt auf alkalifreie Beschleuniger.

 

  1. Als Kleber

Wenn den Silikatlösungen Wasser entzogen wird, steigt ihre Viskosität. Trocknen sie, werden sie klebrig wie Honig, gelieren und erstarren glasig. Deshalb nutzt man das Wasserglas auch bei der Verklebung von Pappe, Papierhülsen und von Alu mit Pappe.

 

  1. Im Brandschutz

Wird das Wasserglas so getrocknet, dass ein Restwasseranteil von 25 Prozent darin verbleibt, kann dieses Wasser bei Temperaturen über 120 Grad Celsius unter Schaumbildung freigesetzt werden. Daher kommt es auch beim Brandschutz zum Einsatz. Bekanntestes Beispiel dafür ist das Brandschutzglas, das aus mehreren Lagen Fensterglas besteht, welche mit Zwischenschichten aus getrocknetem Wasserglas gefüllt sind. Kommt es zum Brand, springt die brandseitige Scheibe. Das Wasserglas indes schützt den Rest des Fensters.

 

  1. In Silikatfarben

Ebenfalls wird das Glas als Bindemittel für Farben verwendet. Seitdem A.W. Keim das Patent dazu angemeldet hat, kommt es zu diesem Einsatz. Dafür wird eine Mischung aus Füllstoffen, anorganischen Pigmenten und Wasserglas als Anstrich aufgebracht. Durch die große Oberfläche ist auch das Wasserglas der Atmosphäre ausgesetzt. Es reagiert mit dem CO2 in der Luft und härtet aus. Dabei werden die Pigmente und Füllstoffe eingebunden in die Wasserglasmatrix. Sie reagieren aber auch oberflächlich an den Korngrenzen mit dem Wasserglas. Da das erhärtete Wasserglas nicht anlösbar ist und in die porösen und mineralischen Untergründe eindringt, gelten diese Anstriche als sehr wetterbeständig.

 

  1. Wasserglas in Korrosionsschutzfarben

Darüber hinaus werden auf Basis von Wasserglas und Zinkstaub Korrosionsschutzfarben hergestellt, die als besonders umweltfreundlich gelten. Hier hat sich vor allem das Lithiumwasserglas durchgesetzt. So entsteht eine sehr gute Wasserfestigkeit der Farben.

 

Wasserglas in verschiedenen Varianten

Wie schon anhand der Beispiele deutlich wurde, lässt sich Wasserglas in verschiedene Varianten unterteilen. In der Praxis sind das vor allen Dingen die drei Varianten:

  • Wasserglas auf Lithium-Basis (Li)
  • Wasserglas auf Natrium-Basis (Na)
  • Wasserglas auf Kalium-Basis (K)

Das Wasserglas auf Basis von Lithium ist allerdings aufgrund der sehr hohen Rohstoffkosten die teuerste Variante. Sie ist jedoch empfehlenswert, wenn es um die Abdichtung von Oberflächen geht, da hier die besten Wirkungen erzielt werden. Je nach Variante des Wasserglases ergeben sich auch unterschiedliche Eigenschaften:

 

  • Wasserlöslichkeit – bei Lithium-Silikaten deutlich schlechter
  • Alkalinität – bei Lithium-Silikaten geringer als bei den anderen Pendants, wodurch die Rissbildung bei diesem Wasserglas unwahrscheinlicher wird
  • Viskosität – bei Lithium-Silikaten geringer, wodurch die Durchdringung der Betonoberfläche verbessert wird
  • Silikatstruktur – bei Lithium-Silikaten größer
  • Vernetzung der Silikatstrukturen – bei Lithium-Silikat vollständig, sonst nur unvollständig – dadurch ist die Abdichtung des Kapillarsystems an der Betonoberfläche mit Lithiumwasserglas besser gewährleistet
  • Reaktion mit Kalkhydrat – bei Lithium-Silikat langsamer, dadurch können die Hohlräume gleichmäßiger ausgefüllt werden

 

Insgesamt lassen sich allerdings keine pauschalen Aussagen über die Kosten von Wasserglas im Hausbau treffen. Diese sind stets abhängig vom Hersteller und dem jeweiligen Verwendungszweck bzw. der Basis, auf der das Wasserglas hergestellt wurde. Im Handel gibt es das Wasserglas in verschiedenen Gebinden. Für die einfachere Verarbeitung sollte die dickflüssige Masse jedoch vor dem Auftragen mit Wasser verdünnt werden. Dann sind Pinsel, Quast, Rolle oder auch Spritze das richtige Mittel zum Auftragen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
  • 4,8
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
(61 Bewertungen, Ø 4,3)
4,3 von 5 Sternen
5 Sterne
34
4 Sterne
17
3 Sterne
7
2 Sterne
1
1 Stern
1