Krüppelwalmdach als Dachform – Das sollten Sie wissen!

Die Eigenheiten bei einem Krüppelwalmdach

Das klassische Satteldach weist in der einfachsten Form zwei rechteckige schräge Flächen an den Längsseiten eines Gebäudes auf. Bei einem Walmdach werden diese Seitenflächen zu Trapezen, die auch bei einem Krüppelwalmdach vorhanden sind. Ein komplett ausgebildeter Walm entsteht, wenn an den Schmalseiten von Gebäuden statt einem oberen Giebelteil in Dreiecksform eine dreieckige und ebenfalls geneigte Dachfläche angesetzt wird. Bei einem normalen Walmdach zieht sich diese Fläche vom Dachfirst bis auf die Höhe der Regenrinnen an den Dachflächen der Längsseiten. Endet die Schräge des Walms weiter oben, wird diese Dachform in der Fachsprache als Krüppelwalmdach bezeichnet. Regional sind auch alternative Bezeichnungen üblich.

Dazu gehören:

  • Schopfdach
  • Schopfwalm
  • Kröpelwalm
  • Halbwalm

Es gibt einige Regionen in der Welt, in denen sich die Krüppelwalmdächer einer besonders großen Beliebtheit erfreuen. Das sind vor allem Gegenden, in denen oftmals mit einer rauen Witterung zu rechnen ist. Dort bieten die Schopfwalmdächer gegenüber einem Satteldach entscheidende Vorteile, sowohl für das Gebäude selbst als auch für dessen Nutzer.

 

Die allgemeinen Vorteile der Krüppelwalmdächer

Einfamilienhaus mit Krüppelwalmdach – © Magda Fischer – Fotolia.com

Alle Flächen, die nicht vertikal verlaufen, können den Wind besser ableiten. Im Vergleich zu einem Satteldach wird bei einem Schopfwalm die auf die Giebel drückende Windlast deutlich minimiert. Hinzu kommen die Konstruktionen der Balken. Die schräg an den Giebeln eingesetzten Balken bewirken eine spürbare Stärkung des gesamten Dachaufbaus gegenüber mechanischen Belastungen. Das wiederum bedeutet, dass sowohl vollständig ausgebildete Walmdächer als auch Krüppelwalmdächer gegenüber anderen Dachformen in der Regel eine höhere Schneelast tragen können. Außerdem gehören die Dreiecksspitzen der Giebel der Satteldächer zu den Schwachstellen der Gebäude, die am ehesten durch die Einflüsse der Witterung geschädigt werden. Auch dieses Risiko lässt sich mit der Ausbildung eines Krüppelwalms erheblich reduzieren.

 

Die Überziehung der Dachflächen beim Schopfwalm

Als weiterer Vorteil gesellt sich bei einem Kröpelwalm der konstruktive Gebäudeschutz hinzu. Vor allem im Alpenraum sind Schopfwalme mit einer starken Überziehung zu finden. Der Dachdecker bezeichnet es als Überziehung, wenn die geneigten Flächen des Dachs über die Kante der Fassade hinaus reichen. Dadurch werden die empfindlichen Stellen an den Übergängen zwischen den Außenmauern und der Dachkonstruktion gut geschützt. Allerdings sind sie durch diesen Schutz auch ein beliebter Nistplatz für Vögel. Das kann man als Hausbesitzer verhindern, indem zwischen der Fassade und der Unterseite der Regenrinne Netze gespannt werden.

 

Die praktischen Vorteile der Halbwalmdächer

Die mögliche Überziehung beim Krüppelwalm ist auf allen Seiten eines Massivhauses möglich. Welche praktischen Vorteile das hat, zeigen die Gebäude, bei denen sich nur auf einer Seite ein Krüppelwalm findet. Er wird in der Regel an der Seite mit dem Eingang konzipiert und ist von der Länge her nur unwesentlich kürzer als die voll ausgebildeten Dachflächen. Hier können zum Beispiel bei einer gastronomischen Nutzung überdachte Sitzplätze eingerichtet werden.

In der Geschichte war es üblich, dass bei einem Krüppelwalmdach ein Teil einer Seitenfläche sogar bis zum Boden verlängert worden ist. Dieses Bild zeigt sich bei Bauernhöfen im Alpenraum. Dort wurden die Bereiche unter den Überziehungen beispielsweise zur Lagerung von Brennholz verwendet. Alternativ lassen sich dort auch Gartengeräte unterstellen.

 

Die Vorteile der Halbwalme für Balkone

Einen Balkon als Relaxzone wünschen sich viele Menschen. Im Idealfall ist er überdacht und weist einen seitlichen Schutz gegen Wind und Regen auf. Das hat dazu geführt, dass in Gebäuden mit hoher Wohnqualität häufig eine Loggia eingebaut wird. Ein ähnlicher Nutzungskomfort lässt sich erzielen, wenn ein Balkon unmittelbar unter einem Krüppelwalm gebaut wird. Die Längsflächen des Dachs bilden den seitlichen Schutz und nach oben hin schützt der Halbwalm. Eine Überziehung über die Balkonbrüstung hinaus wäre hier möglich, ist aber nicht ratsam, da sie sich negativ auf den Lichteinfall in den hinter dem Balkon liegende Raum auswirken würde.

 

Die Formen der Eindeckung bei einem Halbwalmdach

Für das Halbwalmdach kann als Eindeckung alles verwendet werden, was auch beispielsweise bei einem Satteldach zur Anwendung kommen kann.

Einige der gängigen Beispiele für traditionelle und aktuelle Materialien sind:

  • Ziegel
  • Schindeln
  • Holz mit geteerter Dachpappe
  • Schilf (vor allem in Norddeutschland verbreitet)
  • Bambus und Palmenblätter (hauptsächlich in den Tropen und Subtropen anzutreffen)

 

Vor allem bei den Schilfdächern in Norddeutschland ist das Walmdach weit verbreitet. Eine Schilfeindeckung ist im Vergleich zu anderen Materialien erheblich schwerer. Die oberen Lagen saugen sich bei Regen und Schnee mit Feuchtigkeit voll, was das Gewicht der Eindeckung temporär noch einmal kräftig erhöht. Hier kommt die enorme Stabilität der Konstruktionen des Unterbaus der Walmdächer als praktischer Vorteil zum Tragen. Diese Konstruktion der Dachbalken hält es auch aus, wenn das Dach bei Sanierungen und Reparaturen durch die zusätzliche Einbindung weiterer Schilflagen ständig ein größeres Gewicht bekommt. Allerdings sollte man dabei beachten, dass auch die von den Außenwänden zu tragende Last damit steigt. Eine vorherige Prüfung der Statik dieser Gebäude ist deshalb vor einem weiteren Aufbau der Walmdächer mit Schilfeindeckung unverzichtbar.

 

Das Krüppelwalmdach in energetischer Hinsicht

Durch die bereits beschriebene Überziehung der Dachflächen der Krüppelwalmdächer kann der Energiebedarf eines Hauses günstig beeinflusst werden. Der Wind erreicht die oberen Bereiche der Giebel und Seitenwände nicht. So kann er dort auch keine Wärme bei einem schlecht isolierten Haus abnehmen. Das Resultat sind niedrigere Heizkosten. Auch kann ein Halbwalmdach genau wie jedes Satteldach auf der Innenseite thermisch isoliert werden. Dabei werden die gleichen Technologien wie bei allen anderen Dachformen (Welche Dachformen gibt es noch?) eingesetzt.

Wer sich für einen Krüppelwalm entscheidet, der muss im Dachgeschoss auch auf reichlich Licht nicht verzichten. Statt der vertikalen Fenster in den traditionellen Giebeln können hier Dachflächenfenster verwendet werden. Möchte man einen niedrigen Energiebedarf bei der Klimatisierung dieser Räume erreichen, ist der Griff zu einem Dachflächenfenster mit Dreifachverglasung und einem integrierten Sonnenschutzrollo ratsam.

Möchte der Besitzer eines Gebäudes seine Heizung von einer Solaranlage unterstützen lassen oder selbst Strom mit Photovoltaik-Modulen produzieren, erweisen sich die Krüppelwalmdächer ebenfalls als vorteilhaft, weil hier Dachflächen in mindestens vier verschiedenen Richtungen zu Auswahl stehen. Im günstigsten Fall können die Dachflächen auf zwei Seiten eines Gebäudes zur Strom- und Wärmeerzeugung aus der Strahlung der Sonne genutzt werden. Besonders viel Fläche für eine Solaranlage bietet ein Kröpelwalmdach dann, wenn der Walm gegenüber den anderen Dachflächen nur eine geringfügige Verkürzung aufweist. Außerdem lässt sich die nutzbare Fläche bei einem Krüppelwalmdach durch die bereits beschriebene Überziehung einer oder mehrerer Dachseiten erheblich vergrößern.

Copyright Massivhaus.de

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?
  • 4,8
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
(0 Bewertungen0)
0 von 5 Sternen
5 Sterne
0
4 Sterne
0
3 Sterne
0
2 Sterne
0
1 Stern
0