Die neue EnEV 2014 – Das ändert sich!

Nun ist es amtlich, am 01.05.2014 tritt die neue EnEV 2014 in Kraft. Damit müssen Bauherren erneut deutliche Steigerungen bei den Anforderungen an den Hausbau hinnehmen und somit mit höheren Kosten für selbigen rechnen. Doch wie kam es überhaupt zur neuen EnEV 2014? Der Gesetzgeber hat sich das hohe Ziel gesetzt, bis 2050 einen klimaneutralen Gebäudebestand zu realisieren. Regelmäßige Anpassungen der Energieeinsparverordnung (EnEV) sind daher Pflicht.

 

Die wichtigsten Daten der EnEV 2014 sind die folgenden:

 

06.02.2013:

Das Bundeskabinett beschließt, dass ein Entwurf zur Novellierung der bisherigen EnEV erstellt wird. Dieser soll für Neubauten maßvolle Anhebungen der Mindesteffizienzstandards enthalten, die in den Jahren 2014 und 2016 in Kraft treten sollen. Erhöhungen der Standards für bestehende Gebäude sind dabei indes nicht berücksichtigt. Hinzu kommt, dass der Energieausweis gestärkt werden soll, der ein wichtiges Informationselement für Bauherren, wie Hauskäufer gleichermaßen darstellt. Die Energieausweise sollen zudem künftig stichprobenartig überprüft werden.

 

11.10.2013

Der Bundesrat stimmt der im Februar entstandenen Novellierung der EnEV zu, allerdings nur unter Auflagen. Diese müssen von der Bundesregierung angenommen werden, damit die Novelle in Kraft treten kann.

 

16.10.2013

Das Bundeskabinett hat die EnEV samt den Änderungsvorschlägen des Bundesrats verabschiedet. Jetzt muss die Novelle noch von Brüssel notifiziert werden.

 

21.11.2013

Die Verkündung der Novellierung ist im Bundesgesetzblatt erfolgt und die EnEV 2014 kann am 01. Mai 2014 in Kraft treten.

 

Was ändert sich mit der EnEV 2014 alles?

Die EnEV hält Änderungen für viele Zielgruppen bereit. Die wichtigsten wollen wir im Folgenden kurz vorstellen.

 

Immobilienanbieter müssen mit folgenden Veränderungen rechnen

Eigentümer von Immobilien, aber auch Makler, die Häuser und Wohnungen ausschreiben, müssen bei allen kommerziellen Immobilienanzeigen gewisse Pflichtangaben einhalten.

Bei Wohngebäuden sind das:

  • Angaben zur Art des Energieausweises (bedarfs- oder verbrauchsorientiert),
  • Angaben zum Kennwert (Energieverbrauchskennwert und Endenergiebedarf),
  • Baujahr der zu vermietenden oder zu verkaufenden Immobilie,
  • Angaben zur Heizungsart (welche Energieträger werden verwendet) und
  • Angaben zur Energieeffizienzklasse.

 

Der letzte Punkt gilt allerdings nur dann, wenn der Energieausweis ab dem 01.05.2014 neu ausgestellt wurde.

 

Auch bei Inseraten für Nichtwohngebäude, wie zum Beispiel Gewerbeimmobilien, müssen sich folgende Angaben in den Anzeigen finden:

  • Art des Energieausweises,
  • Kennwert (hier müssen Angaben zu Strom und Wärme gemacht werden) und
  • Angaben zur Heizungsart.

Bei den Energiekennwerten ist künftig darauf zu achten, dass diese sich auf die Wohnfläche beziehen müssen. Bisher konnten sie auf die Gebäudenutzfläche bezogen werden. Zusätzlich werden künftig in Energieausweisen Effizienzklassen genannt. Dies sollen dem Verbraucher dabei helfen, den Energieausweis als zunehmend wichtiges Informationsinstrument anzuerkennen.

Zudem gilt künftig, dass der Energieausweis schon während der Besichtigung vorgelegt werden muss. Bisher mussten Mieter gezielt danach fragen und fielen bei vielen Vermietern dadurch negativ auf. Sie galten als schwierige Mieter und erhielten allein aus diesem Grund die Wohnung oft nicht. Das ändert sich jetzt. Nach Anmietung oder Kauf ist der Energieausweis in Kopie oder im Original außerdem an den Mieter bzw. Käufer zu übergeben.

 

Immobilienbesitzer müssen mit diesen Änderungen nach der EnEV 2014 rechnen

Für Besitzer bestehender Immobilien gibt es im Grunde nur wenige Änderungen und die betreffen unter anderem die Heizung. Werden so genannte Konstanttemperatur-Heizkessel verwendet, dürfen diese für höchstens 30 Jahre betrieben werden. Von diesen Heizkesseln spricht man bei Standard-Heizkesseln, die mit Öl oder Gas betrieben werden. Sie verändern dabei ihre Temperatur nicht entsprechend der aktuellen Heizleistung, die benötigt wird.

Damit müssen solche Heizungen, die 1985 eingebaut wurden, bis 2015 erneuert werden. Bisher galt eine solche Erneuerungspflicht nur für Heizungen, die vor 1978 in Betrieb genommen wurden.

 

Ausnahmen sind aber auch hier zu finden. Sie gelten für

  • Eigentümer, die schon am 01.02.2002 die eigene Immobilie (Ein- und Zweifamilienhäuser) selbst bewohnt haben und
  • Eigentümer, die einen Brennwert- oder Niedertemperatur-Heizkessel betreiben.

 

Die beiden letzteren Varianten weisen einen höheren Wirkungsgrad auf und sind daher von der Erneuerungspflicht ausgenommen.

Weiterhin müssen Haus- und Außentüren verschärfte energetische Anforderungen erfüllen, sollen sie ausgetauscht werden. Moderne Türen, wie die speziellen Passivhaustüren, erreichen die geforderten Werte aber problemlos. Die Passivhaustüren unterschreiten sogar die künftig mit der EnEV 2014 geforderten Werte um 70 Prozent.

Die oberste Geschossdecke zu unbeheizten Dachräumen ist zudem bis Jahresende 2015 nachträglich zu dämmen. Dies gilt immer dann, wenn kein Mindestwärmeschutz vorhanden ist. Demnach reicht es bei Holzbalkendecken völlig aus, die Hohlräume mit Dämmstoff zu füllen. Der Wärmedurchgangskoeffizient von 0,24 Watt/(m²*K) darf jedoch nicht überschritten werden. Alternativ dazu kann auch das Dach gedämmt werden.

 

Was man bei der Renovierung beachten muss

Bestandsbauten, in denen Renovierungsmaßnahmen durchgeführt werden sollen, müssen sich ebenfalls an einige Neuerungen halten. Beispielhaft seien hier folgende Punkte genannt:

 

  • Erneuerung von Fenstern: Es dürfen nur Fenster mit mindestens Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasung eingebaut werden.
  • Erneuerung des Putzes an der Außenwand: Es muss eine mindestens zwölf Zentimeter starke Dämmschicht angebracht werden.

 

Allerdings greifen auch hier wieder einige Ausnahmen. So müssen die Zweischeiben-Wärmeschutz-Verglasungen nicht eingesetzt werden, wenn weniger als zehn Prozent der Fenster des Gebäudes erneuert werden. Diese Regelung betrifft ebenso die Dämmung, wenn weniger als zehn Prozent der Außenflächen modernisiert werden. Allerdings dürfen die neu eingebauten Fenster oder der Putz energetisch nicht schlechter als bisher ausfallen. Wer sein Haus nur neu anstreicht, muss die oben genannten Regelungen für Bestandsbauten ebenfalls nicht berücksichtigen.

Wird allerdings gegen diese Vorschriften verstoßen, so können diese Verstöße mit Bußgeldern geahndet werden. Zudem sind die Kontrollfunktionen verschärft worden, so dass sich die Investition in Energieeffizienz allemal lohnt. Schließlich werden die Vorgaben auch künftig weiter angepasst werden.

 

Diese Änderungen ergeben sich für Bauherren

Bauherren müssen sich mit Inkrafttreten der EnEV 2014 ebenfalls neuen Herausforderungen stellen. So müssen Neubauten im Bezug auf Heizung, Strom und Kühlung mit einem um 25 Prozent verringerten Jahresenergiebedarf auskommen. Diese Verschärfung ist bisher einmalig vorgesehen und gilt für alle Neubauten ab dem 01. Januar 2016.

Auch die Wärmeverluste bei Neubauten müssen gesenkt werden. Insbesondere Wärmeverluste durch die Gebäudehülle sind im Durchschnitt um 20 Prozent zu senken. Von diesen Verschärfungen sind übrigens Bestandsgebäude nicht betroffen.

 

Auswirkungen ergeben sich zudem auf staatliche Förderungen

Die neue EnEV 2014 hat zudem Auswirkungen auf staatliche Fördermittel für Neubauten. So gibt die Energieeinsparverordnung zwar grundsätzlich nur die gesetzlichen Mindeststandards vor, allerdings werden anhand dieser Standards auch die nötigen Werte der KfW-Effizienzhäuser festgemacht. Das KfW-Effizienzhaus 70 schreibt beispielsweise vor, dass die Vorgaben zum Jahresenergiebedarf laut EnEV um 30 Prozent unterschritten werden müssen. Werden die EnEV-Werte verschärft, werden damit auch die KfW-Standards verschärft. Das betrifft allerdings nur Neu-, keine Bestandsbauten.

Für die energetische Sanierung von Bestandsbauten können grundsätzlich ebenfalls verschiedene Programme der KfW und der Förderbanken der Länder beansprucht werden. Diese sehen es als Voraussetzung an, dass sich der Jahresenergiebedarf durch die geförderten Maßnahmen verbessert. Inwieweit die Verbesserung zum ursprünglichen Zustand ausfallen muss, hängt von den Programmen ab. So können Hauseigentümer zum Beispiel pro eingesparter Kilowattstunde Heizenergie einen festen jährlichen Zuschuss erhalten. Es ist aber nicht zwingend vorgeschrieben, dass die aktuellen EnEV-Werte erreicht werden.

 

Energieausweise werden kontrolliert

Eine weitere Neuerung der EnEV 2014 sieht ein stichprobenartiges Kontrollsystem für Energieausweise vor. Auch Berichte über die Inspektion vorhandener Klimaanlagen sollen dabei mit überprüft und kontrolliert werden. Im Rahmen dieser Maßnahmen sollen die Ausweise und Berichte mit einer Registriernummer versehen, erfasst und jederzeit stichprobenartig kontrolliert werden können. Allerdings soll es nach der EnEV 2014 kein Recht geben, Wohnungen im Rahmen dieser Kontrollen zu betreten.

Die Energieausweise müssen zudem in größeren Gebäuden ausgehangen werden, sofern diese einen starken Publikumsverkehr aufweisen und nicht behördlich genutzt werden. Insofern sind Kaufhäuser, Banken, Restaurants, Läden und Hotels von dieser Verpflichtung betroffen.

Laut EnEV 2014 sind in ab dem 01.05.2014 neu ausgestellten Energieausweisen die Energieeffizienzklassen zu benennen. Diese  setzen sich wie folgt zusammen:

EnergieeffizienzklasseEndenergiebedarf in kWh/(m² a)
A+< 30
A< 50
B< 75
C< 100
D< 130
E< 160
F< 200
G< 250
H> 250

 

Neue Bewertung von Strom als Energiequelle

Die EnEV 2009 sah einen Primärenergiefaktor von 2,6 bei Strom vor. In der EnEV 2014 wurde dieser auf 1,8 gesenkt. Die Absenkung wird jedoch erst zum 01.01.2016 gültig. Dieser Primärenergiefaktor wird bei der Berechnung der Energiebilanz benötigt. In ihn fließt ebenfalls ein, wie viel Energie bei der Gewinnung, Umwandlung und Verteilung der Energie benötigt wurde.

Zum Vergleich sind im Folgenden die Primärenergiefaktoren der wichtigsten Energiequellen genannt:

EnergiequellePrimärenergiefaktor
Strom1,8
Heizöl1,1
Gas1,1
Kohle1,2
Holz als Brennstoff0,2
Solarenergie0,0

 

Weiterführende Quellen:

http://www.focus.de/immobilien/kaufen/bau-neue-energieeinsparverordnung-kommt-regeln-fuer-bauherren_id_3655837.html

 

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